Schule des Hörens 2026

unterstützt von der Franz Grothe Stiftung

 

Filmmusik sehen, hören und verstehen


Mit der Schule des Hörens hat DOK.education 2026 erstmals ein eigenes
Filmbildungsformat entwickelt, das die Tonebene und insbesondere die Musik im
Dokumentarfilm in den Mittelpunkt stellt. Ausgangspunkt war die Frage, die im
Unterricht und auch in der klassischen Filmbildung häufig zu kurz kommt: Was erzählt
Musik eigentlich zusätzlich zu den Bildern und wie beeinflusst sie unsere
Wahrnehmung einer dokumentarischen Wirklichkeit?
Für das neue Format wurde der 25-minütige Dokumentarfilm MARIAN UND DIE
WALDRAPPE von Bernadette Hauke ausgewählt. Der Film eignet sich in besonderer
Weise für die Schule des Hörens: Seine vielfältige musikalische Gestaltung ermöglicht
es, mit Kindern nicht nur über Instrumente, Klangfarben und Emotionen zu sprechen,
sondern auch darüber, wann Musik einsetzt, wann sie schweigt und wie Regie und
Montage durch Musik Rhythmus, Spannung und Bedeutung erzeugen. Das von
DOK.education entwickelte Konzept verbindet damit musikalische Bildung,
Filmlesekompetenz und Medienkompetenz.


Schule des Hörens im Kino – Fokustag in der Pasinger Fabrik


Am 12. Mai 2026 fand im Rahmen des 41. DOK.fest München der erste Fokustag der
Schule des Hörens in der Pasinger Fabrik statt. Drei Schulklassen und somit
insgesamt 70 Personen nahmen an 90-minütigen Workshops teil.
Nach der gemeinsamen Filmsichtung arbeiteten die Schüler*innen mit speziell
entwickelten Seh- und Höraufträgen. In Kleingruppen untersuchten sie beispielsweise,
welche Instrumente im Film zu hören sind, wie unterschiedliche Musikstücke auf sie
wirken, an welchen Stellen bewusst keine Musik eingesetzt wird und wie stark Musik
unsere emotionale Wahrnehmung von Bildern verändern kann.
Ein besonderer Bestandteil des Tages war die direkte Begegnung mit
Musikschaffenden. Filmkomponist Michael Dommes, dessen Musik im Film verwendet
wird, gab den Kindern Einblick in seine Arbeit als Komponist und Musikproduzent und
erklärte, wie Musik für Film entsteht, wie eine Musikbibliothek funktioniert und nach
welchen Kriterien Filmschaffende Musik auswählen. Ergänzend konnten die
Schüler*innen einem Handpan-Musiker begegnen und damit ein Instrument unmittelbar
erleben, dessen charakteristischer Klang sich durch den Film zieht.



Ein neues Unterrichtsmaterial zur Filmmusik


Ein wesentlicher Teil des Projekts war die Entwicklung eines umfangreichen
medienpädagogischen Begleitmaterials zur Schule des Hörens. Entstanden ist
eine 41-seitige Unterrichtseinheit, die Lehrkräfte dabei unterstützt, Filmmusik und
Tonebene eigenständig mit ihrer Klasse zu analysieren.
Das Material enthält Hintergrundinformationen zum Film, Interviews mit Regisseurin
Bernadette Hauke und Filmkomponist Michael Dommes, sieben aufeinander
aufbauende Beobachtungsaufgaben mit ausführlichen Lösungshilfen sowie praktische
Arbeitsblätter. Die Themen reichen von Geräuschen, Erzählstimme und
Instrumentenkunde über Rhythmus und emotionale Wirkung von Musik bis zur Frage,
wie Musik unsere Wahrnehmung dokumentarischer Wirklichkeit beeinflusst.
Darüber hinaus wurden weiterführende Unterrichtseinheiten entwickelt, unter anderem
zu Klangspaziergängen, zur Wirkung unterschiedlicher Soundtracks, zur
Instrumentenkunde sowie zu Urheberrecht, GEMA und Künstlicher Intelligenz in der
Musikproduktion.


Die Schule des Hörens kommt bundesweit ins Klassenzimmer


Damit das Projekt nicht auf den Festivalzeitraum und München beschränkt bleibt,
wurde zusätzlich ein eigener Online-Kinosaal der Schule des Hörens entwickelt. Er
ermöglicht Lehrkräften in ganz Deutschland, das Programm kostenfrei mit ihren
Klassen durchzuführen und steht bis Juli 2027 zur Verfügung. Seit Mai 2026 haben
Lehrkräfte knapp 3000 teilnehmende Schüler*innen angemeldet und den
Online-Kinosaal im Klassenzimmer eingesetzt.
Der Online-Kinosaal ist modular aufgebaut. Zunächst führt ein Videoseminar in den
Film und die Beobachtungsaufgaben ein. Anschließend sehen die Schüler*innen
MARIAN UND DIE WALDRAPPE. Ein zweites Modul führt hinter die Kulissen der
Filmmusik: Im ausführlichen Videointerview berichtet Michael Dommes über seine
Arbeit als Filmkomponist; zusätzlich vermittelt Regisseurin Bernadette Hauke Einblicke
in die Entstehung und Gestaltung des Films. Das Begleitmaterial, Arbeitsblätter und
weiterführende Aufgaben ermöglichen anschließend die selbstständige Vertiefung im
Unterricht. Damit kann das Angebot je nach Unterrichtssituation in einzelnen Modulen,
in Doppelstunden oder auch im Flipped-Classroom-Modell eingesetzt werden.



Nachhaltige Wirkung


Dabei endet die Arbeit nicht mit der technischen Bereitstellung des Angebots. Die
Projektleitung betreut den Online-Kinosaal während seiner gesamten Laufzeit von zwei
Jahren weiter: Sie begleitet die Anmeldeverwaltung, beantwortet Rückfragen von
Lehrkräften, pflegt die Zugänge und arbeitet kontinuierlich daran, zusätzliche Schulen,
Lehrkräfte und Multiplikator*innen zu erreichen. Diese fortlaufende Zielgruppenarbeit
ist ein wesentlicher Bestandteil des Projekts und sorgt dafür, dass das mit
Unterstützung der Franz Grothe-Stiftung entwickelte Angebot auch nach dem Festival
weiter genutzt wird.
Dazu gehört auch die gezielte Ansprache neuer Zielgruppen und die Einbindung des
Angebots in bundesweite Netzwerke und Kooperationen wie den KURZFILMTAG (Link). Lehrkräfte können die Inhalte so auch lange nach dem Festival einsetzen und
damit immer neue Schüler*innen erreichen.
Aus einem einzelnen Fokustag ist damit ein dauerhaft nutzbares Filmbildungsangebot
entstanden. Die persönliche Begegnung im Kino, die eigens entwickelte Methode der
Höranalyse, das umfangreiche Unterrichtsmaterial und der bundesweit zugängliche
Online-Kinosaal greifen ineinander.
Die Schule des Hörens erweitert die etablierte Filmbildungsarbeit von DOK.education
um eine entscheidende Perspektive: Junge Menschen lernen nicht nur, genauer
hinzusehen, sondern auch bewusst hinzuhören und zu verstehen, dass Musik ein
wesentlicher Bestandteil filmischen Erzählens und die Arbeit von Komponist*innen ein
eigenständiger künstlerischer Beitrag zum Dokumentarfilm ist.


Die Projektbausteine im Überblick – 2026


Die Förderung der Franz-Grothe-Stiftung trug anteilig zur Realisierung projektbezogener
Leistungen bei und diente nicht der institutionellen Strukturförderung. Sie ermöglichte
und unterstützte anteilig die Umsetzung folgender Bausteine:


Die Förderung der Franz Grothe-Stiftung in Höhe von 12.500 € entsprach 39,6 % des
Gesamtbudgets der Schule des Hörens 2026. Sie trug anteilig zur Realisierung zentraler
Projektbausteine bei, vom Fokustag im Festival über das medienpädagogische
Begleitmaterial bis zum über zwei Jahre betreuten Online-Kinosaal. Die übrigen
Projektkosten und projektbezogenen Leistungen wurden durch das DOK.fest München
sowie weitere Mittel mitgetragen.


Bildergalerie: www.dokfest-muenchen.de/albums/view/5230
Webseite: www.dokfest-muenchen.de/SchuleDesHoerens2026
Partner und Unterstützer: www.dokfest-muenchen.de/Partner_education
Projektleitung: Kathi Seemann - DOK.education Leitung
Kontakt: Maya Reichert